Samstag, 21. Mai 2011
Dieses Jahr habe ich es gewagt. Erste eigen nachgezogene Königinnen. Schon in der Kirschblüte ist ein Völk durch besondere Sanftmütigkeit und Fleiß aufgefallen. Von diesem habe ich Larven "umgebettet". Am Tag der Kirschblütenhonigernte (Mit. 4.5.) habe ich den Sammelbrutableger gebildet. Aus allen Völkern 1-2 Brutwaben, je nach Volkstärke. Am Samstag (14.5.), 9 Tage später wurden alle Nachschaffungszellen ausgebrochen. Eine Wabe mit jüngsten Bienenmaden wurde aus meinem "1A" Volk ausgewählt und daraus umgelarft. Mit einer selbst beschnittenen und beschliffenen Gänsefeder war das sehr vorsichtigtig gemacht worden, um die feinen Larven nicht zu beschädigen.
Heute, (Sa. 21.5) sind 8 gepflegte Königinnen "Verschult" worden. Von 20 Angesetzten. Ich bin froh, dass das bei meinem ersten Versuch bis jetzt so gut gelaufen ist.
Mittwoch (25.5) ist Schlupftermin. Dann werden Einwabenkästchen, 4 Waben Ablegerkasten für die jungen Königinnen vorbereitet. Eine Auserwählte darf dann den Sammelbrutableger übernehmen, der Mittlerweile übervoll mit Jungbienen und Honig ist.
Samstag, 20. November 2010
Beitrag von Lancehonig » im Imkerstammtisch Uckermark
Wespen fliegen ein und manchmal auch wieder raus aus den Bienenkästen. Haben die eigentlich ein Problem mit der Varroar?
Bei der Herbstbehandlung mit Ameisensäure beobachtete ich in einigen Wespenknäule auf den Windeln. Sie haben sich, von Wärme und Futterkrümeln angelockt auf ihnen niedergelassen. Sie machten einen sehr apathischen Eindruck, was wohl an den Säuredämpfen liegen mag.(?) Diese Völker wiesen auf den Unterlagen nur wenige bis keine Milben aus, trotz des gleichen Dosierungs- und Anwendungszeitraum. Fressen die Wespen die abfallenden Milben?
Bau mal jemand ne Kamera auf die Windel und sagt mal nächstes Jahr Bescheid!
Man muß leben was man kann!
Mittwoch, 18. August 2010
Sicherheit bei der Anwendung von Varroaziden ist wichtig – denn was nützt den entmilbten, gesunden Bienen ein behandlungskranker Imker?
Dass Varroabekämpfung zum Erhalt der Leistungsfähigkeit eines Bienenvolkes und der eigenen Imkerei beiträgt, sieht wohl jeder Imker ein. Beim Wann? und Wie? gibt es dagegen die unterschiedlichsten Ansichten und Verfahren. Neben den zugelassenen Mitteln wie Apiguard, Apilife var, Ameisensäure 60% ad us. Vet., 15%ige Milchsäure ad us. Vet. und Oxuvar existieren noch viele Selbstbau-Lösungen, die Thymol, Ameisen-, Milch- oder Oxalsäure in die Völker und an die Milben bringen sollen. Verdunsten, Verdampfen, Sprühen und Träufeln sind die Grundlagen aller chemischen Bekämpfungsverfahren. Die Anwendersicherheit wird vom Imker oft bewusst oder unbewusst missachtet, Routine im Anwenden einzelner Substanzen trägt hierzu sicherlich nicht unwesentlich bei, Unfälle werden geradezu provoziert.
Was muss ich generell beachten?
Organische Säuren (Ameisen-, Oxal- und auch Milchsäure) sind ätzend! Daher sind Imkerhandschuhe aus Leder für alle Arten der Anwendung ungeeignet.
Bei der Vorbereitung und während der Behandlung chemikalienbeständige (säurefeste) Handschuhe, dicht anliegende Schutzbrille und Atemschutzmaske (EN 149, beim Abwiegen von Oxalsäurekristallen: Atemschutzvollmaske mit Partikelfilter P2 oder P3) tragen. Einweg-Staubschutzmasken aus dem Baumarkt sind gänzlich ungeeignet.
Immer ausreichend Wasser (mind. 5 Liter) bereithalten, Säurespritzer sofort mit viel Wasser ab- und auswaschen.
Säurebehältnisse genau beschriften. Wegen möglicher Verwechslungsgefahr keine Lebensmittelbehälter (Sprudelflaschen etc.) zur Aufbewahrung der Säure verwenden und für Kinder unerreichbar unter Verschluss aufbewahren.
Nur gebrauchsfertige Lösungen (ad us. Vet.) kaufen und nach Beipackzettel verwenden.
Beim Umgang mit Chemikalien generell nicht essen, trinken oder rauchen, anschließend Hände ausgiebig waschen.
Alle Arbeitsgeräte nach Gebrauch sorgfältig reinigen.
Benetzte Kleidungsstücke umgehend unter Verwendung von Handschuhen und Mundschutz in der Waschmaschine waschen.
Spezielle Hinweise für die von uns bevorzugte Ameisensäure
Sie verursacht starke Verätzungen der Haut, mit schlecht heilenden Wunden, starke Gefährdungen liegen auch für die Augen und den Atmungstrakt vor. Deshalb Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Säuren beachten. Bei Befüllungen und Anwendungen immer Wasser und Augenwaschflasche bereithalten. Niemals Trinkgefäße mit Ameisensäure befüllen! Bienenhäuser gut belüften.
Notfallmaßnahmen (Erste Hilfe)
Durch Säuren oder Perizin benetzte Haut sofort mit reichlich sauberem Leitungswasser intensiv abspülen. Bei Augenverätzungen eine Augenwaschflasche (erhältlich in Apotheken) mit steriler isotoner Kochsalzlösung verwenden, reichlich spülen, unverzüglich einen Arzt aufsuchen! Verunreinigte Kleidung, auch Unterwäsche, ist sofort abzulegen.
Mit Freundlicher Genehmigung des Deutschen Bienenjournals
Mittwoch, 5. Mai 2010
Leidiges Thema: Blütenbehandlung im Raps.
Nicht wenige Rapskäfer fingen sich schon Anfang April in unserem Haus an den Fenstern ein. Die große Spritzung steht bevor und lässt uns Imker bangen. Die Bauern wurden auf dem Landes-Spritzmittel-Tag des Bauernverbandes über die zu verwendenden Mittel aufgeklärt, doch jeder hat so seine Metode dem Ertrag auf die Sprünge zu helfen. So ein Kommentar eines Landwirts. Bienenschutz steht nicht hoch im Kurs, war mein Eindruck. Sind wir Imker denn lästige Parasiten der Landwirtschaft, oder haben wir nicht einen beachtlichen Auftrag in unseren Lebensräumen zu erfüllen.
"Als Bestäuber zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen sind Bienen sowohl ökologisch als auch ökonomisch von großer Bedeutung. Etwa 80 Prozent aller Blütenpflanzen sind in unseren Breiten auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, andere Insekten können diese Aufgabe nur begrenzt übernehmen. Ohne Bienen würde ein Teil der Wildpflanzen aussterben und wichtige landwirtschaftlich genutzte Kulturen würden bedeutend weniger Ertrag liefern. Bienen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Landwirtschaft. Der Nutzen der Bestäubungsleistung ist um ein Vielfaches höher zu bewerten als der Erlös aus Honig, Wachs, Pollen und anderen Nebenprodukten.",heist es auf der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Internetseite www.biosicherheit.de
Auch unser Arbeits- u. Mittelaufwand in der Imkerei ist nicht zu unterschätzen. Körperlich und finanziell geht es wie in allen Landwirtschaftsbetrieben "zur Sache". Was sollten und was können wir tun, um unsere Problematiken in den Breitenfokus zu bekommen?
Erster Schritt: Mitarbeit am Imkerstammtisch! Melde sich an wer kann und haltet uns auf dem Laufenden.
René
Montag, 19. April 2010
Autorin: Jennifer Berry arbeitet in den USA an der University
of Georgia. In einem dreijährigen Experiment untersuchte
sie den Einfluss kleiner Wabenzellen auf die Varroa-
population - mit ernüchternden Ergebnissen.
Die Ergebnisse unserer neuesten Studie zum Einfluss der Zellgröße auf die Varroapopulation, die ich im dbj 01/2010 vorstellte, stimmen mit den Resultaten anderer Experimente überein. So hat das Landwirtschaftsamt von Florida 2009 eine Studie im Fachmagazin Experimental and Applied Acarology 47 veröffentlicht. Diese einjährige Studie mit 30 Bienenvölkern ähnelte der unsrigen - allerdings waren die zwei Versuchsgruppen in derselben Gegend auf zwei Bienenstände aufgeteilt. Hierdurch sollte ein Transfer von Milben durch den Verflug von Bienen eingeschränkt werden. Die Brutfläche und die Zahl der Milben in der Brut und auf den Bienen glichen sich weitgehend zwischen den Völkern mit großen und solchen mit kleinen Zellen. In beiden Versuchsgruppen überschritt die Milbenzahl am Ende des Experiments die Schadschwelle. Daher konnten die Autoren dieser Studie ebenso wie wir die anekdotischen Reporte über den Erfolg von kleinen Brutzellen gegen die Varroa nicht bestätigen.
Im Jahr 2008 veröffentlichten Wissenschaftler des Ruakura Forschungszentrums in Neuseeland ihre Ergebnisse zur Zellengröße im Journal of Apicultural Research. Ihre Methoden unterschieden sich deutlich von den unsrigen. Sie verwendeten fünf verschiedene Mittelwände mit Zellgrößen von 4,7 bis 5,4 mm. Diese Mittelwände ließen sie in den Honigräumen ausbauen, anschließend schnitten sie 50 x 80 mm große Stücke heraus und setzten diese in ausgebaute Waben mit der Standardzellgröße von 5,4 mm ein. Jeweils zwei solcher Waben wurden in Ableger gegeben. Nachdem diese bestiftet und verdeckelt waren, untersuchten die Wissenschaftler den Befall von jeweils 234 bis 440 Zellen. Der Milbenbefall betrug zwischen 28 % und 47 %, wobei die 4,8 mm großen Zellen mit 46,6 % signifikant häufiger befallen waren als die Zellen mit einer Größe von 5,4 mm (27,7 %). Auch diese Autoren kamen zum Schluss, dass kleine Zellen nicht als Maßnahme gegen die Varroose zu empfehlen ist.
Ich denke, jeder, der eine Betriebsweise mit kleinen Zellen entwickelt hat, die auf irgendeine Weise erfolgreich ist, sollte sie weiter durchführen. Jedoch können kleine Zellen auf Grundlage seriöser Untersuchungen eindeutig nicht als alleiniges Mittel gegen die Varroose empfohlen werden.
Jennifer Berry
Quelle: Deutsches Bienenjournal
Samstag, 20. Februar 2010
Die Zahl der Imker, die den Verbänden des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) angehören, erhöhte sich im Jahr 2009 um 929. Dies entspricht einer Steigerung von 1,1 %. Wie der D.I.B. mitteilte ist dies nach 2008 mit 0,6 % Mitgliederzuwachs das zweite Jahr mit einer positiven Entwicklung. Die Zahl der Völker ist jedoch weiterhin rückläufig. Laut D.I.B. verringerten viele Imker aus Altersgründen ihre Völkerzahl oder glichen Völkerverluste während des Jahres nicht aus. Zudem wollen viele Imkerneulinge Bienen vor allem aus Naturschutzgründen halten und mit der Haltung weniger Bienenvölker die Bestäubung der Pflanzen unterstützen. Insgesamt sind im D.I.B. 19 Verbände mit rund 82.000 Imkereien zusammengeschlossen.
Quelle:Bienenjournal online
Montag, 8. Februar 2010
Der Anbau von Gentechnik-Mais ist in Deutschland verboten. Trotzdem planen einige Landwirte den Anbau und meldeten ihn vorsorglich an. Langsam läuft die Anmeldefrist jedoch aus. Denn drei Monate vor Aussaat muss der Anbau beim Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) gemeldet werden und der Frühling und somit auch die Anbausaison nahen. Doch solange kein Urteil im Hauptsacheverfahren um das Anbau-Verbot gefällt ist, bleibt der Gentechnik-Mais verboten.
Wie Greenpeace heute berichtet sind einige der MON 810-Anbau-Flächen im Standortregister fehlerhaft eingetragen worden. Bei sechs von 24 angemeldeten Flächen in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stimmt entweder die Größe oder der Standort der Flächen nicht. Einige der Fehler sind auf Landwirte zurückzuführen, die im Moment Schadensersatz vom BVL fordern, weil sie letztes Jahr keinen Gentechnik-Mais anbauen durften. Sie halten das vom BVL verhängte MON 810-Anbau-Verbot für rechtswidrig. Sie hätten damals ihre Flächen ordnungsgemäß angemeldet - im Gegensatz zu diesem Jahr. Interessant ist auch die vorsorgliche Anmeldung der Gentechnik-Kartoffel. Während in den letzten Jahren der Anbau der "Amflora" unter Versuchsanbau lieft, wurde dieses Jahr ganz optimistisch ein kommerzieller Anbau angemeldet - für den Fall, dass die EU den Anbau noch rechtzeitig zulässt. Die Hektar-Anzahl fällt weniger optimistisch aus: Lediglich auf 20ha soll die Kartoffel ausgebracht werden. Dabei wäre mehr Anbau möglich. Denn letztes Jahr wurden auf den Versuchsflächen ausreichend Kartoffeln produziert, um dieses Jahr ca. 300ha zu bestellen.
Quelle:Informationdienst Gentechnik
Dienstag, 8. Dezember 2009
Jedes Schulkind lernt, dass Bienen sich durch Tanzen verständigen. Doch die Insekten verstehen den Hüftschwung vermutlich gar nicht - oder er lässt sie schlicht kalt.
Teil 1: von Katrin Blawat Quelle:(SZ vom 02.12.2009/beu)
Anfangs lachte der junge Zoologe Karl von Frisch nur über die merkwürdigen Wackelbewegungen seiner Bienen. Er lud befreundete Imker ein, und zusammen vergnügten sie sich ganze Sommertage lang damit, diesen "Scherz der Bienen" zu beobachten. 1923 notierte Frisch in den Zoologischen Jahrbüchern: "Ich behaupte, dass auch die Bienen, wenn der Stock in gutem Zustand ist, gewisse Lustbarkeiten und Freuden unter sich haben, dass sie sogar zuweilen einen gewissen Tanz anstellen." Ein halbes Jahrhundert später erhielt Frisch den Nobelpreis unter anderem für die Erforschung des Schwänzeltanzes.
Der Biologe hatte mehrfach beobachtet, wie plötzlich ein ganzer Schwarm Bienen an einem ergiebigen Futterplatz auftauchte, den kurz zuvor eine einzelne Biene entdeckt hatte. Mit Hilfe des Schwänzeltanzes informiert eine Biene ihre Artgenossen im Stock über die exakte Position der Futterquelle und die Entfernung dorthin, war Frisch schließlich überzeugt. Die anderen Bienen beobachten die Choreographie, entschlüsseln die darin codierten Informationen und steuern dann zielsicher den Futterplatz an. Jedes Schulkind lernt seitdem etwas über diese Kommunikationsleistung der Bienen.Nun gerät das Dogma vom unmissverständlichen Schwänzeltanz in die Kritik. Immer selbstbewusster greifen Wissenschaftler die These an. "Wir haben untersucht, ob Bienen allein anhand der Informationen aus dem Schwänzeltanz eine einzelne, nicht duftende Futterquelle finden können. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass dies nicht der Fall ist", schreibt der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz.In einem Versuch seines Kollegen Christoph Grüter von der University of Sussex flogen 93 Prozent der Bienen, die eine tanzende Artgenossin beobachtet hatten, zu einem Futterplatz, den sie selbst noch von früheren Ausflügen kannten - unabhängig vom Tanz der Biene. Deutlicher kann man Informationen nicht ignorieren. Andere Bienen verfolgten zwar bis zu 50 Tanzrunden, fanden aber überhaupt kein Futter. "Neuere Studien, aber auch Experimente aus den späten sechziger Jahren legen nahe, dass die Bedeutung der Ortsangaben im Schwänzeltanz überschätzt wird", resümiert Grüter.
In einer dieser jahrzehntealten Untersuchungen stellte Dietrich Mautz von der Goethe-Universität in Frankfurt fest, dass nicht einmal ein Drittel der Bienen, die einen Schwänzeltanz verfolgt hatten, am Futterplatz ankam. Selbst Tiere, die den Pollen fanden, brauchten für 100 Meter knapp vier Minuten - zielstrebige Bienen schaffen diese Strecke in zehn Sekunden. Wer kann da noch sicher sein, dass nicht der Zufall die Bienen zum Futter geleitet hatte?
Teil 2: von Katrin Blawat Quelle:(SZ vom 02.12.2009/beu)
Der Tanz einer Biene, die nach erfolgreicher Futtersuche in den Stock zurückkehrt, besteht aus mehreren Abschnitten. In der Schwänzelphase lässt die Biene ihren Hinterleib seitwärts vibrieren, bis zu 15-mal pro Sekunde. Dann läuft sie eine kreisförmige Strecke und beginnt von neuem mit der Schwänzelphase; so kann es mehrere Minuten lang gehen.
Die Schwänzelphase enthält, so beschreibt es Frisch, zwei Informationen über die Lage des Futterplatzes: Die Richtung übermittelt die Biene, indem sie ihren Körper relativ zur Sonne so ausrichtet, dass der entstehende Winkel den Winkel zur Futterquelle wiedergibt. Die Entfernung zum Stock ist durch die Dauer des Tanzes codiert, als Richtwert gelten 75 Millisekunden Schwänzelphase pro 100 Meter Entfernung. Nach fünf bis sechs Schwänzelphasen wüssten auch unerfahrene Bienen genau, wohin und wie lange sie fliegen müssen und machten sich sofort zum Futterplatz auf, erklärte Karl von Frisch in seiner Rede nach der Verleihung des Nobelpreises 1973.
"Ich selbst hatte zu Beginn Zweifel"
Nur wenige Redeminuten später räumte er jedoch ein: "Es ist vorstellbar, dass manche Menschen diese Dinge nicht glauben werden. Ich selbst hatte zu Beginn Zweifel." Tatsächlich hatte Frisch 50 Jahre vor der Preisverleihung in seiner Schrift "Über die Sprache der Bienen" noch wesentlich vorsichtiger formuliert: "Die Bienen, die auf die Tänze hin ausfliegen, suchen das Gelände nach allen Richtungen ab, wahrscheinlich im Bereich des ganzen Flugkreises." Adrian Wenner von der University of California in Santa Barbara gilt als der entschiedenste Kritiker Frischs. Für ihn sind die frühen Notizen des Nobelpreisträgers ein Beleg dafür, dass sich die Idee einer Tanzsprache allein deshalb durchsetzen konnte, weil sie die Menschen so faszinierte. "Die exotische These akzeptierte man schnell, dabei bestätigte sie sich nicht in experimentellen Tests." Vielmehr hätten die Vertreter der Tanzsprache-Hypothese Ergebnisse ignoriert, die nicht in ihr Konzept gepasst hätten. Auch Jürgen Tautz, Leiter der Würzburger Beegroup, erklärt: "Die Idee, dass Insekten derart abstrakt kommunizieren können, hat Philosophen und Linguisten einfach begeistert. Bis dahin hatte man dies nur dem Menschen zugetraut."
Frisch habe sich von einigen seiner Beobachtungen in die Irre führen lassen, sagt Tautz - und schlicht nicht mehr zurückrudern können, als andere seine Idee einer Tanzsprache begeistert aufgegriffen hatten.
Viele heutige Bienenforscher sehen im Schwänzeltanz hingegen vor allem einen Appell: ",An alle im Stock: Schwärmt aus, irgendwo dort hinten gibt es Futter!' - so etwa könnte die Botschaft des Schwänzeltanzes lauten", sagt Tautz. Motivierend wirken dabei mehrere Aspekte. Spüren die Bienen die Vibrationen ihrer aufgeregt herumhüpfenden Artgenossin und die durch das Tanzen erhöhte Innentemperatur, schwärmen sie folgsam hinaus zur Futtersuche - manchmal.
Doch wohin und wie weit sie fliegen müssen, dazu macht der Schwänzeltanz nur unzuverlässige Angaben. Tautz ließ Bienen in einem dunklen, engen Tunnel Pollen sammeln, elf Meter vom Stock entfernt. Nach ihrer Rückkehr tanzten die Bienen im Schnitt 358 Millisekunden lang - und die meisten nachfolgenden Bienen flogen in Richtung eines Futterplatzes, den der Forscher 70 Meter vom Stock entfernt aufgestellt hatte. "Der Kilometerzähler der Bienen funktioniert nicht absolut, sondern je nach Beschaffenheit der Landschaft unterschiedlich. Der Schwänzeltanz gibt die Anzahl der Bilder wieder, die während des Flugs am Bienenauge vorbeigezogen sind", folgert Tautz aus seinen Ergebnissen.
Teil 3: von Katrin Blawat Quelle:(SZ vom 02.12.2009/beu)
Eine einheitliche Eichkurve zwischen Schwänzeldauer und Entfernung sei deshalb sehr unzuverlässig. Zudem werden die Referenzwerte mit zunehmender Entfernung immer ungenauer. "Für Strecken bis 100 Meter mag der Schwänzeltanz eine gewisse Entfernungsinformation enthalten", sagt Tautz. Für solch kurze Wege aber braucht keine Biene einen Wegweiser. Futtersuchende Honigbienen fliegen jedoch bis zu zehn Kilometer weit, und dann nützt ihnen der Schwänzeltanz gar nichts.
Bleibt die Frage, warum noch nicht alle Bienen verhungert sind, wenn der Schwänzeltanz derart un- oder missverständlich ist. "Wenn die Futterquelle ein Rapsfeld ist, kann die Information ruhig schlampig sein", sagt Tautz. Sobald die Bienen den Stock verlassen, finden sie den Pollen schon irgendwann. Außerdem lernen die Insekten mit der Zeit, wo es sich im Umfeld ihres Stocks zu suchen lohnt. Persönliche Vorlieben für bestimmte Futterplätze sind dann entscheidender als die vagen Angaben einer tanzenden Artgenossin. Die im Schwänzeltanz verschlüsselten Informationen dienten allenfalls als "Back-up", sagt auch Bienenforscher Grüter.
Von Düften - der einzigen Orientierungshilfe, die auch der Frisch-Kritiker Adrian Wenner anerkennt - lassen sich Bienen hingegen recht stark beeinflussen. Kehrt eine Biene von einem Futterplatz in den Stock zurück, bringt sie den Duft ihres Speiseplatzes mit sich, und dem folgen später ihre Artgenossen. Zusätzlich besitzen Bienen am Hinterleib eine Drüse, aus der sie bei einer bestimmten Flugtechnik, dem Brauseflug, den Duftstoff Geraniol absondern. Den Brauseflug, dessen Name von den charakteristischen Flügelgeräuschen stammt, wenden Bienen vor allem an einem neu entdeckten Futterplatz an. Die Flügelbewegungen verteilen die Duftmoleküle des Geraniols effizient, und zusammen mit den auch optisch auffallenden Flügelbewegungen werden andere Bienen davon angelockt.
All dies hatte auch Karl von Frisch schon bemerkt - und wieder verworfen, nachdem die Tanzsprache in der Öffentlichkeit so großen Zuspruch gefunden hatte. "Mitte der dreißiger Jahre vertrat Frisch die Hypothese, Bienen fänden Futterquellen mit Hilfe des Geruchs", sagt Adrian Wenner. "Ein Jahrzehnt später wechselte er zu der Tanzsprache-Hypothese, weil sie aufregender war."
Wenners kompromisslose Kritik fordert jene Wissenschaftler heraus, die dem Schwänzeltanz noch immer einen hohen Informationsgehalt zugestehen. "Die Tatsache, dass nachfolgende Bienen die Signale nur selektiv wahrnehmen, ändert nichts an der Bedeutung dieser Signale", schreibt Axel Brockmann von der University of Illinois in einem kürzlich im Fachblatt Cell veröffentlichten Kommentar. Entschieden ist der Streit um den Schwänzeltanz noch nicht.
Dabei wollen auch diejenigen seiner Kollegen, die den Mythos des Schwänzeltanzes angreifen, Karl von Frisch trotz seiner Fehleinschätzung gut dastehen lassen. Viele Experimente hätten unter ziemlich unnatürlichen Bedingungen stattgefunden, sagt Christoph Grüter, und Jürgen Tautz ergänzt: "Damals gab es noch keine Videokamera mit Zeitlupenfunktion. Das erleichtert unsere Arbeit heute sehr." Zudem ist der Schwänzeltanz für Menschen viel markanter als geruchliche Signale der Bienen, da sei es nur natürlich, dass man sich auf den Tanz konzentriere.
Und kennt man nicht ähnliche Beispiele kolossaler Wissenschaftsirrtümer auch aus der Geschichte? Bis ins 16. Jahrhundert hinein verkündeten Zoologie-Lehrbücher, dass Fliegen vier Beine haben - dabei konnte jeder selbst nachzählen, dass es sechs sind. Trotzdem hielt sich der Irrtum mehr als anderthalb Jahrtausende lang. Die These von der vierfüßigen Fliege stammte immerhin von Aristoteles.
Dienstag, 3. November 2009
Ist Gentechnik im Honig verboten?
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) mehrere Fragen zur Entscheidung vorgelegt, die von großer praktischer Bedeutung für den Schutz von Imkern und anderen Lebensmittelerzeugern vor ungewollten Verunreinigungen durch genetisch veränderte Organismen (GVO) sind.
In dem Rechtsstreit verlangen Imker von den bayerischen Behörden, Schutzmaßnahmen zu treffen, mit denen der Eintrag von Pollen des genetisch veränderten Maises MON 810 in ihre Imkereiprodukte verhindert wird. Geklärt werden sollen die Fragen, ob auch beim Honig eine Nulltoleranz von nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Konstrukten gilt und was überhaupt ein gentechnisch veränderter Organismus ist.
„Wir wollen erreichen, dass unzureichend oder überhaupt nicht geprüfte Gentechnik-Konstrukte im Honig nicht erlaubt sind und der Verursacher für Schäden haften muss“, so Imkermeister Thomas Radetzki. „Wenn das Gericht der Argumentation des Saatgutproduzenten Monsanto folgt, wären Vorsorgeprinzip und Verbraucherschutz, wie sie in der EU und im deutschen Recht verankerten sind, aufgehoben.“ Der Konzern will erreichen, dass auch nicht oder nur unzureichend zugelassene GV-Konstrukte in Lebensmittelnsmitteln zu finden sein dürfen.
„Die Anrufung des EuGH ist auch eine Ohrfeige an die deutschen Gentechnik-Behörden, die die Probleme der Imker durch seltsame Interpretationen des Rechts versuchen unter den Tisch zu kehren“, sagt Radetzki.
In der ersten Instanz hatte das Verwaltungsgericht Augsburg festgestellt, dass Honig durch den Eintrag von Pollen des Mais MON 810 - selbst bei geringsten Spuren - seine Verkehrsfähigkeit verliert („Nulltoleranz“). Der betroffene Imker Karl Heinz Bablok hatte infolge dieses Urteils seine gesamte Jahreshonigernte im September in der Müllverbrennung Augsburg entsorgt. „Imker und Bienen arbeiten das ganze Jahr. Landwirtschaft und Wildpflanzen brauchen uns für die Befruchtung. Ich begreife nicht, warum die Gentechnik wichtiger sein soll als die heimische Natur. Wenn es so weiter geht höre ich mit den Bienen auf“, so Bablok. Ein Drittel unserer Nahrung ist direkt oder indirekt auf Bestäubung durch Bienen angewiesen. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bienen wird in der EU auf etwa fünf Milliarden Euro geschätzt.
Dr. Achim Willand: „Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof erspart den Imkern mit diesem Beschluss einen langen Weg durch die Instanzen. Die aufgeworfenen Fragen haben für die gesamte Lebensmittelwirtschaft eine hohe Bedeutung.“
Anwalt des Bündnis
Dr. Achim Willand, Berlin
(Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer)
Telefon (+49) 030-72610260
Mobil (+49) 0171-533 45 71
willand@GGSC.de
Vertreter des Bündnis
Imkermeister Thomas Radetzki
Vorstand des Vereins Mellifera e.V.
Telefon (+49) 07428-945 24 94
Mobil (+49) 0171-33 66 569
radetzki@mellifera.de
www.bienen-gentechnik.de
Download:
- Detaillierte Informationen
- Beschluss des Bayrischen VGH
- Juristische Bewertung der
Vorlagen an den EuGH
www.bienen-gentechnik.de ? Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik
Mellifera e.V., Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund, Demeter-Bund e.V., Bioland e.V., Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Assoziation ökologischer Lebensmittel Hersteller (AÖL)
PMGVOHonigEUGH091103.pdf
Mittwoch, 2. September 2009
Denkste! Die Spätsommertracht ist sehr gut ausgefallen und geerntet. Erste Fütterung ist durchgeführt. Nun sind seit 2 Tagen die Nassenheider Verdunster im Einsatz und sollen mit 60% Ameisensäure die Varroa-Milbe bekämpfen. Eines meiner Völker ist so sehr stark befallen, dass es wahrscheinlich eingehen wird. Ich habe den letzten Drohnenrahmen nich geschnitten und so konnten sich die Milben sprunghaft vermehren. Man muß regelmäßig, sorgfältig nachsehen und handeln. In diesem Jahr war die Zeit sehr knapp für mich und die Bienen, da mit dem Familiennachwuchs auch die Familienpflichten zunehmen. Konseqenz ist auch bei den Bienen ein muß.
Jetzt kommt die Zeit der Gerätepflege und Saisonvorbereitung. Außerdem Honig abfüllen, etikettieren, Wachs umschmelzen, klären, Kerzen gießen. Marktstände planen (geht nur Wochenende), am Webshop basteln (kostet die Abende). u.u.u.
Immer was zu tun und das macht Spaß!
Samstag, 8. August 2009
Honigbienen verhungern mitten im Sommer. Die Landschaft ernährt ihre
Insekten nicht mehr.
Netzwerk Bluehende Landschaft
Küpfendorf-Steinheim, Darmstadt, Rosenfeld, 05. Aug. 2009
Die Honigbienen in Deutschland leiden mitten im Sommer an Futtermangel und würden verhungern, wenn sie nicht vom Imker mit Zuckerwasser am Leben erhalten würden. Der Futtermangel in der Natur ist dramatisch“ erklärt Imkermeister Günter Friedmann, Sprecher der biodynamischen Demeter Imker, Träger des Förderpreises ökologischer Landbau und Mitbegründer des Netzwerks Blühende Landschaft Beobachtungen an seinen eigenen Bienenvölkern und beunruhigende Meldungen von Imkerkollegen aus ganz Deutschland, veranlassen ihn, jetzt einen Alarmruf zu starten.. „Wenn nicht rasch ein Umdenken und ein neues Handeln in der Landwirtschaft erfolgt, werden wir stumme Sommer erleben - und sehen, dass die Bienen für die Bestäubung und damit auch für die Ernten unersetzlich sind“.
Friedmann ist seit 30 Jahren Berufsimker, aber „mit einer solchen Situation wurde ich noch nie konfrontiert“ betont er, “obwohl sich diese Entwicklung eigentlich seit mehreren Jahren anbahnt und auch zu den Bienenverlusten der letzten Jahre beigetragen hat“. Nach der Rapsblüte, Mitte bis Ende Mai, beginnt für die Bienen in vielen Regionen Deutschlands eine Zeit des Mangels und oft auch des Hungerns. Gerade in den Jahren, in denen es aus dem Wald keinen Honig zu gewinnen gibt, wird deutlich, dass auf den Feldern und Wiesen mittlerweile zu wenig blüht, um den Insekten ausreichend Nahrung zu bieten.
Verantwortlich für diesen Zustand ist nach Ansicht von Friedmann die sich immer weiter beschleunigende Intensivierung der Landwirtschaft. Insbesondere der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und die Gewinnung von Biogas wirken sich besondes dramatisch aus. In vielen Regionen dominiere zudem der Maisanbau und die Wiesen werden zur Gewinnung von Silage jeweils vor der Blüte so oft gemäht, dass dort für blütenbesuchende Insekten nichts mehr zu holen ist.
Viel schlechter als den Honigbienen geht es Wildbienen und Schmetterlingen, deren Lobby zu klein sei. Direkt abhängig von den Insekten ist die Vogelwelt, die seit langem starke Rückgänge der Bestände verzeichnet. Imker Friedmann befürchtet für die Zukunft “stumme Sommer“.
Bestärkt wird er in dieser Ansicht von den Forschungen der Bienenwissenschaft. Professor Dr. Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg bestätigt, dass sich sowohl durch die fehlende Menge als auch durch die mangelnde Vielfalt des noch vorhandenen Blütenangebotes die Fitness der Völker der Honigbienen zum Teil drastisch verschlechtert hat und „ein zu geringes und zu einseitiges Blütenangebot zur Schwächung und im Extremfall zum Zusammenbruch der Bienenvölker führt“.
Die Imker bringen Verständnis für die schwierige Situation der Landwirtschaft auf. Aber es sei „ doch eine absurde Situation, dass z.B. die Bauern immer größere Mengen an Milch zu immer niedrigen Milchpreisen produzieren müssen, und dass dadurch unsere Bienen verhungern“ so Friedmann. In dieser Situation ist die Politik gefordert, die steuernd eingreifen muss, damit die Entwicklung sowohl den Landwirten , als auch grundlegenden Bedürfnissen der Menschen und der Natur gerecht werden kann.
Netzwerk Blühende Landschaft
Koordination Holger Loritz Fax +49 (0)3212 1096988
info@bluehende-landschaft.de www.bluehende-landschaft.de
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